PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : EF 70-300 f/4,5-5,6 DO IS USM



zar
05.06.2004, 16:09
Hallo, gibt es schon einen aussagekräftigen Test zu diesem Objektiv im Netz?
Am besten im direkten Vergleich zum 100-400L.
Habe hier im Forum noch nix dazu gefunden.
Würdet Ihr lieber 200 EUR drauf packen und die schwerere weiße :-( L-Optik kaufen? Ist der hohe Preis für das 70-300 überhaupt gerechtfertigt - deshalb die Frage nach einem Test.

Oder besser nur die Hälfte ausgeben für ein 75-300 IS.

Vielen Dank für Eure Hilfe.
Marc

Radomir Jakubowski
05.06.2004, 18:52
Ich denke das Do 70-300mm ist für eine ganz andere Zielgruppe. Es ist für Reisefotographen etc. Das 100-400mm L IS ist da schon viel größer und schwerer und ist für die ambitionierten Naturfotographen gedacht.
Ich persönlich würde das fast doppelt so schwere 100-400mm kaufen. Wenn du aber nicht so viel tragen möchtest, dann nimm das Do IS.
Hier noch ein Test:
http://www.e-fotografija.com/artman/publish/article_304.shtml

KRK
05.06.2004, 20:09
geschrieben. Kurz meine Erfahrungen:
Intensive Vergleichstests mit der 10D gegen Festbrennweiten (100er Makro und 2.8/200L) haben nur geringe bis gar keine Unterschiede gezeigt. Mir war wichtig, keinen Leistungsabfall und auch keinen Abfall der realen Lichtstärke zum langen Ende hin zu haben (wie z.B. beim 70-300 IS). Habe gestern einige weitere Ausbelichtungen bekommen, die meine letzten Zweifel auch diesbezüglich ausgeräumt haben.
Ich bin mit dem Objektiv sehr zufrieden. Auch im Nahbereich, zusammen mit einer 500D, ist die Leistung hervorragend.
Ich bin sicher, daß das 100-400 nicht besser ist, aber teurer, doppelt so schwer und doppelt so groß. Die geringfügig längere Brennweite spielt wohl nur in Ausnahmefällen eine wirklich wichtige Rolle.
Zum Preis: der Vergleich zum 70-300 IS ist m.E. völlig verkehrt. Das Objektiv gehört eindeutig in die Reihe der L´s (übrigens auch wegen der Fassungsqualität) und sollte auch mit denen preislich verglichen werden.
Das bisherige 4/400 DO ist auch kein 'L', aber keiner käme auf die Idee, es mit anderen Objektiven, als den L´s zu vergleichen. Übrigens kostet das immer noch um die 6000 €. Hätte Canon ein 100-400 in Neuauflage als DO, zum halben Gewicht und halber Größe angekündigt, hätte keiner mit der Wimper gezuckt, wenn es 2.000 gekostet hätte, jeder wäre drauf geflogen. Jetzt kommt es, etwas kürzer zwar, aber nur 1100,-. Und jetzt wird am Preis gemeckert.
Merke: neben roten 'L´s' gibt es bei Canon auch grüne 'DO´s' und die sind genauso gut, nur viel kleiner.

Gruss KRK

_tom_
05.06.2004, 21:15
... gut, schön das Du mit dem Objektiv zufrieden bist,
aber eigentlich wären wir - die Kunden - doch alle glücklich gewesen,
sie hätten an das 70-200/f4 L endlich IS drangebaut, oder?

/t

Thomas Brocher
05.06.2004, 21:25
damit zufrieden!!!
Verglichen mit meinem (ur)alten 50-200L (ja, das gibt/gab es) hatte es in der Schärfe keine Chance. Auch über den großen Teich hinweg sind die Meinungen zweigeteilt.
Ich tippe daher auf eine Serienstreuung, die nicht ganz unerheblich ist. Oder ich hatte einfach nur Pech mit meinem DO. Dazu habe ich mit einigen Forumsmitgliedern Bilder ausgetauscht und wir kamen alle zu dieser Meinung.
Ich freue mich für KRK, dass er eine super Linse erwischt hat. Wäre meines so gut gewesen, oder wie die hier im letzten Test gezeigte Version (vor einigen Tagen - einfach mal suchen), dann hätte ich es nie zurück geschickt.
Daneben habe ich bemerkt, dass das 70-300 DO keine 300mm liefert! Dazu fand ich auch bei dpreview eine Info, dort tippte man auf 250mm, was ich aber für untertrieben halte. Verglichen mit einer Festbrennweite 300mm und dem alten 75-300 IS ist der Ausschnitt definitiv nicht so eng! Hier reizt Canon die Tolleranzgrenze anscheinend knallhart aus. Lt. CPS liefert jedes Zoom nur auf unendlich die geforderte Endbrennweite und dann sind noch bis zu 5% Tolleranz drin.
Jetzt bin ich erstmal bei meinem 50-200 L geblieben und bekomme nächsten Freitag wieder ein gebrauchtes 100-400 L. Daneben bestellte ich wieder ein 70-300 DO und warte mal ab, wie gut das ist, so kann ich einen kleinen 3-er Test für mich machen und entscheide dann, was ich behalte und zurück schicke.
Die Vorteile liegen beim 70-300 sprichwörtlich 'auf der Hand'. Klein, relativ leicht und dann (hoffentlich) scharf, schneller USM, super IS. Einzig die Zoomverstellung ist für Canon Maßstäbe ziemlich schwergängig. Das liegt wohl an den schweren Linsen, lässt sich daher nicht vermeiden. Zur Sicherheit hat es bei 70mm einen Zoomlock, so kann beim Tragen nichts passieren, die Linsen können nicht zufällig nach vorne 'rausknallen' und irgendwie beschädigen - gute Sache.
Ich kann hier KRK bei seinen Argumenten voll zustimmen, die 400mm braucht man selten und wenn die optische Leistung stimmt, spricht auch nichts gegen eine kleine Ausschnittsvergrößerung. Gäbe es ein 100-400 DO würden es sich viele auch für 2000,- € kaufen.
Wenn dann für mich alles passt, steht hier im Forum ganz schnell wieder ein 100-400 L zum Verkauf. Das hängt aber davon ab, wann Canon wieder mal ausliefert.
Tja, dann grübel mal schön.
Gruß und schönes Wochenende,
Thomas

Thomas Brocher
05.06.2004, 21:27
oder nur noch die, die wirklich 2,8 brauchen, Canon will sich doch nicht den eigenen Markt versauen....
Du hast Recht, das wäre dann die Linse überhaupt!!!
Gruß Thomas

_tom_
05.06.2004, 21:33
> liegen beim 70-300 sprichwörtlich 'auf der Hand'. Klein, relativ leicht und dann
> (hoffentlich) scharf, schneller USM, super IS.

bitte bleibt mal ein bisschen aufm Teppich. Das 70-300 ist nicht leichter, sondern SCHWERER als das 70-200/f4 L, und auch schwerer als das alte 75-300 IS.

DO biegt die Strahlen auf kürzerem Weg und macht die Objektive kleiner, aber nicht leichter.

75-300 IS Micro USM = 650 g
70-200/f4L = 705 g
70-300 / DO = 720 g

also bitte Gewicht und Grösse durcheinanderbringen.

/t



Einzig die Zoomverstellung ist für
> Canon Maßstäbe ziemlich schwergängig. Das liegt wohl an den schweren Linsen, lässt
> sich daher nicht vermeiden. Zur Sicherheit hat es bei 70mm einen Zoomlock, so kann
> beim Tragen nichts passieren, die Linsen können nicht zufällig nach vorne 'rausknallen'
> und irgendwie beschädigen - gute Sache.
> Ich kann hier KRK bei seinen Argumenten
> voll zustimmen, die 400mm braucht man selten und wenn die optische Leistung stimmt,
> spricht auch nichts gegen eine kleine Ausschnittsvergrößerung. Gäbe es ein 100-400
> DO würden es sich viele auch für 2000,- € kaufen.
> Wenn dann für mich alles passt,
> steht hier im Forum ganz schnell wieder ein 100-400 L zum Verkauf. Das hängt aber
> davon ab, wann Canon wieder mal ausliefert.
> Tja, dann grübel mal schön.
> Gruß
> und schönes Wochenende,
> Thomas</i>

Thomas Brocher
05.06.2004, 21:36
im Vergleich zum 70-200 oder 75-300IS. Zum 100-400 war hier gemeint/gefragt, dass meinte ich, sorry, wenn ich mich etwas missverständlich ausdrückte.
Gruß Thomas

Thomas Brocher
05.06.2004, 21:43
<a href='http://www.digitale-slr.net/foren/canon/session_index.php?bid=287210' target='_blank'>bzw. zum Thread der letzten Tage</a>
Gruß Thomas

zar
05.06.2004, 21:59
Danke für den Test Link. Wirklich sehr aufschlussreich.
Wenn sich dieses Ergebnis in anderen Tests widerspiegelt, steht meine Entscheidung fest
-> 'grün'.
Was mir noch fehlt ist ein Vergleich vom 70-300 DO und dem 100-400 L. Wenn es da signifikante Unterschiede in der Bildqualität bei 300 mm gäbe, würde ich auch das größere Gewicht in Kauf nehmen.

Ist Euch vielleicht noch ein alternativer Test bekannt? Ich finde immer nur die vollmundige Pressemitteilung von Canon...

Thx.
Marc

Jörg Tillmann
05.06.2004, 22:01

_tom_
06.06.2004, 12:02
ich hatte es ja schonmal gepostet, den LL Review findest ihr hier:

<a href='http://www.luminous-landscape.com/reviews/lenses/Canon-70-300mm.shtml' target='_blank'>LL Review des 70-300</a>

Für die nicht so textsicheren in Englisch übersetze ich mal sinngemäß:

Die Auflösung erscheint hoch, aber ich muss zugegeben dass ich auf dem Bildschirm und in Abzügen eine gewisse 'Weichheit' in den Bilder sehe welche in meinen Labormessungen nicht erkennbar war. Ein bisschen Experimentieren zeigt dass dies definitiv nicht mangelnde Auflösung, sondern eine gewisse Weichheit in der Konturenschärfe im Vergleich zu nicht DO-Objektiven. Dies kann einfach kompensiert werden durch eine moderates zusätzliches Nachschärfen in der Nachbearbeitung.
[...]
I könnte mir jedoch vorstellen, dass Benutzer, die sich nicht die Zeit und den Aufwand nehmen,
entsprechendes Schärfen durchzuführen, von diesem Objektive enttäuscht sein könnten.
__________________________________________________ __________________________

Hier zu noch 2 Anmerkungen:
(1)
Es ist wichtig zwischen den 2 fundamentalen Grössen Auflösung und Konturenschärfe zu unterscheiden. Durch USM oder andere Methoden wird NIEMALS die Auflösung des Bildes erhöht. Die Auflösung ist, sobald das Bild geschossen ist, nicht mehr zu erhöhen. Die Konturenschärfe aber durchaus. Offensichtlich schneidet bei letzterem das DO ohne Nachbearbeitung recht weich ab. Reichmann beschreibt in seinem Artikel dann noch ein mehrstufiges Schärfungsverfahren, was anzuwenden ist. Na ja.

(2) Steht nicht in dem Artikel, hab ich aber irgendwo mehrmals gehört: Das Bokeh / die Weichzeichnung im Hintergrund soll wohl etwas unschön sein. Ich weiss nicht wie die Blendenlamellen aussehen beim 70-300.

Nur so meine Gedanken.

/t


__________________________________________________ __________________________

Resolution appears high, but I have to admit that on-screen and in prints I see a certain
'softness' to images produced by this lens that doesn't show up in lab measurements.

A bit of experimentation shows that it definitely isn't lack of resolution, but rather a softening of accutance as compared to non-DO lenses. I found that this can be easily compensated for by using a moderate amount of additional sharpening in post-processing.
[...]
I would imagine though that users who do not take the time and effort to apply appropriate sharpening to files produced by this lens may find the results disappointing

Firlefanz
06.06.2004, 12:30

Micha67
06.06.2004, 12:56
> Hier zu noch 2 Anmerkungen:
> (1) Es ist wichtig zwischen den 2 fundamentalen
> Grössen Auflösung und Konturenschärfe zu unterscheiden. Durch USM oder andere
> Methoden wird NIEMALS die Auflösung des Bildes erhöht.

Was hat denn der AF-Antrieb überhaupt mit der optischen Bildqualität zu tun?

> Die Auflösung ist, sobald das Bild
> geschossen ist, nicht mehr zu erhöhen.

In der Praxis: ja, aber bei bekannten Bildfehlern des Objektivs könnte man durch ein Herausrechnen dieser Bildfehler durchaus auch die wahrnehmbare Auflösung erhöhen.
Dieses Vorgehen ist technisch leider noch nicht sonderlich weit entwickelt.

> Die Konturenschärfe aber durchaus. Offensichtlich
> schneidet bei letzterem das DO ohne Nachbearbeitung recht weich ab. Reichmann
> beschreibt in seinem Artikel dann noch ein mehrstufiges Schärfungsverfahren, was
> anzuwenden ist. Na ja.

100% ACK!

> (2) Steht nicht in dem Artikel, hab ich aber irgendwo mehrmals gehört:
> Das Bokeh / die Weichzeichnung im Hintergrund soll wohl etwas unschön sein. Ich weiss
> nicht wie die Blendenlamellen aussehen beim 70-300.

Das hat bei diesem Objektiv nicht unbedingt etwas mit den Blendenlamellen zu tun. Das DO-Element scheint selbst für die unschöne Bokeh-Wirkung verantwortlich zu sein. Immerhin erkennt man bei genauerem Hinsehen das Gitter innerhalb der Unschärfekringel:
<a href='http://forums.dpreview.com/forums/read.asp?forum=1029&message=9069577' target='_blank'>Gitterstruktur im Bokeh des 70-300 DO-IS</a>

Stefan Redel
06.06.2004, 13:02
<i>[Micha67 schrieb am 06.06.04 um 11:56:05]

> > (1) Es ist wichtig zwischen den 2 fundamentalen
> > Grössen Auflösung und Konturenschärfe zu unterscheiden. Durch USM oder andere
> > Methoden wird NIEMALS die Auflösung des Bildes erhöht.
>
> Was hat denn der AF-Antrieb überhaupt mit der optischen Bildqualität zu tun?</i>

Gar nichts. USM bedeutet Unscharf Maskieren. DIE Methode, um Bilder fachgerecht nachzuschärfen.

Tschööööö, Stefan.

Micha67
06.06.2004, 13:11
Aber danke für die Aufklärung, jetzt verstehe ich erst den Zusammenhang!

Nicola Fankhauser
06.06.2004, 13:15
[Micha67 schrieb am 06.06.04 um 11:56:05]
> > Die Auflösung ist, sobald
> das Bild
> > geschossen ist, nicht mehr zu erhöhen.
>
> In der Praxis: ja, aber
> bei bekannten Bildfehlern des Objektivs könnte man durch ein Herausrechnen dieser
> Bildfehler durchaus auch die wahrnehmbare Auflösung erhöhen.
> Dieses Vorgehen ist
> technisch leider noch nicht sonderlich weit entwickelt.

wird es auch nie. :) wenn man nämlich verzeichnung (tonnen, kissenverzeichnung etc.) herausrechnet (oder ein fisheye nach rectilinear rechnet), hat man weniger verzeichnung, dafür auflösung verloren. anders geht das gar nicht.

> Das hat bei diesem Objektiv nicht
> unbedingt etwas mit den Blendenlamellen zu tun. Das DO-Element scheint selbst für
> die unschöne Bokeh-Wirkung verantwortlich zu sein. Immerhin erkennt man bei genauerem
> Hinsehen das Gitter innerhalb der Unschärfekringel:
> <a href='http://forums.dpreview.com/forums/read.asp?forum=1029&message=9069577'
> target='_blank'>Gitterstruktur im Bokeh des 70-300 DO-IS</a>

_das_ nenne ich ein super beispiel von DO artifakten! insgesamt finde ich den ansatz von DO sehr interessant, allerdings scheint er noch nicht weit genug entwickelt zu sein (ev. vergleichbar mit den frühen IS systemen). in ca. 10 jahren werden vielleicht leute, welche schwere objektive herumschleppen als 'oldtimer' belächelt, wer weiss?

gruss
nicola

zar
06.06.2004, 14:27
Im ganz o.g. Test ist die Abbildungsleistung des DO auf den Beispielfotos ja mindestens so gut wie die der L-Optiken.
Ich finde die Aufnahmen überhaupt nicht weicher. Dass der Unschärfebereich anders aussieht, liegt am Gitter und der Beugung. Sicher ein ähnliches Phänomen wie die Kreise bei Aufnahmen mit einer Spiegeloptik.
Nur komme ich bei meiner Entscheidungsfindung gerade nicht weiter. Gibt es denn nirgens den Konsenz: L ist soviel besser als DO, dass Kauf eines DO nicht ratsam. Oder: DO fast so gut wie L - also unbdingt kaufen, wenn man Gewicht sparen möchte. ???

Thx. Marc

_tom_
06.06.2004, 14:49
sorry ich wollte dich nicht verunsichern. :-)
schwanken wir nicht alle zwischen L-Sucht, Rücken- & Kontoschmerzen?
Reichmann hatte doch auch mal die Phase,
wo er der 10D und den L-Objektiven den sicheren Tod heraufbeschwor
und meinte, auf seiner mehrwöchigen Afrika-Safari wäre eigentlich das geilste überhaupt
ne Sony 828, weil

-> keine Staubprobleme
-> kein Linsenwechsel und
-> kein Bandscheibenvorfall
-> effektive Blende und Brennweite wie beim 28-70 /f2.8 und 70-200 /f2.8 (L).

Momentan lobt er ja am meisten die Minolta A2.

Haben wir nicht alle die Tage, wo wir uns denken, warum tun wir uns das an und kaufen nicht ne Prosumer? Ich glaube, wenn die Prosumer Kameras jetzt noch eine Runde drehen und die 3 Punkte

-> Autofokus-Geschwindigkeit
-> Rauschen
-> Chromatische Abberation (Purple Fringing ?)

in den Griff bekommen, gibt es auch viele Argumente für ne Prosumer. Was nützt das geilste Objektiv für die geilste, artefaktefreie Auflösung, Kontrast usw., wenn die Möglichkeit längst vergangen ist, bis Du die Linse gewechselt hat.

Für Tele-Freaks und Portraits bleibt m.E. die SLR-Technik immer das A & O, für immer dabei und Strassen-Szenen, bekomme ich immer so'ne Sehnsucht, wenn ich die Pro1/828/A2 im Fenster sehe. Aber ich werde philosophisch & schweife ab.

Nochmal zum Thema DO: ich geh auch regelmässig zum Optiker und frage wegen meiner Kurzsichtigkeit, was sich so auf dem Markt der Brillengläser mit höherem Brechungsindex macht. Da höre ich dann immer, dass die neuesten Gläser, sobald man nicht geradeaus schaut, immer so schöne Regenbogenfarben machen.

DO ist sicher ein netter Ansatz, hat aber noch nen weiten Weg vor sich. Wir sind halt die technikgeilen Early-Adaptors, die es sofort haben wollen damit wir dann rummeckern können.

:-)

/t

Micha67
06.06.2004, 15:02
>> In der Praxis: ja, aber bei bekannten Bildfehlern des Objektivs könnte man durch ein
>> Herausrechnen dieser Bildfehler durchaus auch die wahrnehmbare Auflösung erhöhen.
>> Dieses Vorgehen ist technisch leider noch nicht sonderlich weit entwickelt.

> wird es auch nie. :)

Sag niemals 'nie'.

> wenn man nämlich verzeichnung (tonnen, kissenverzeichnung etc.) herausrechnet
> (oder ein fisheye nach rectilinear rechnet), hat man weniger verzeichnung, dafür
> auflösung verloren. anders geht das gar nicht.

Diese geometrischen Bildfehler meinte ich noch gar nicht mal (die haben auch primär relativ wenig mit Auflösung und Kantenschärfe zu tun). Es geht mir eher um die Farbdispersion, die lokale und blendenabhängige MTF-Funktion, Astigmatismus und Koma.

Was in der high-end-Mikroskopie schon Gang und Gäbe ist, könnte auch in der digitalen Fotografie hilfreich werden: durch Kenntnis der Abbildungseigenschaften einer mehr oder weniger perfekten Optik kann diese 'point spread function' genutzt werden, um Bilddaten mit einem Objektiv-spezifischen Algorithmus zu verrechnen, der die Auflösung nochmals steigert.

> _das_ nenne ich
> ein super beispiel von DO artifakten! insgesamt finde ich den ansatz von DO sehr
> interessant, allerdings scheint er noch nicht weit genug entwickelt zu sein (ev.
> vergleichbar mit den frühen IS systemen). in ca. 10 jahren werden vielleicht leute,
> welche schwere objektive herumschleppen als 'oldtimer' belächelt, wer weiss?

Vielleicht werden die Objektive ja in Zukunft einfach schlechter, jedoch in ihrer Schlechtigkeit besser bekannt, so daß man die Bildfehler eben besser herausrechnen kann. Nich ganz mein Fall, aber wenn mal überzeugendere Beispiele vorgestellt werden, dann nähme vielleicht auch ich ein 25 cm kurzes und 1,2 kg leichtes 50-400/2.8 DO-IS mit Plastelinsen und nachgeschalteter Korrekturrechnung.

Nicola Fankhauser
06.06.2004, 16:40
> Diese geometrischen Bildfehler meinte ich noch gar nicht mal
> (die haben auch primär relativ wenig mit Auflösung und Kantenschärfe zu tun). Es
> geht mir eher um die Farbdispersion, die lokale und blendenabhängige MTF-Funktion,
> Astigmatismus und Koma.

solche ansätze haben sicher ihren nutzen, aber da solche umrechnungen wohl kaum ohne auflösungsverlust gemacht werden können, scheint für mich eine 'gute' rechnung eines objektives immer noch das wichtigste.

> Was in der high-end-Mikroskopie schon Gang und Gäbe
> ist, könnte auch in der digitalen Fotografie hilfreich werden: durch Kenntnis der
> Abbildungseigenschaften einer mehr oder weniger perfekten Optik kann diese 'point
> spread function' genutzt werden, um Bilddaten mit einem Objektiv-spezifischen Algorithmus
> zu verrechnen, der die Auflösung nochmals steigert.

einverstanden, nur dass damit nicht die auflösung besser wird, allerdings bekommt man damit sicher verzeichnungen, CA und andere optische fehler besser in den griff.

wegen vergrössern der auflösung: z.bsp. ein telekonverter kann auch nicht mehr auflösung herzaubern als die linse vor ihm (oder nach ihm) schafft. gleich verhält es sich mit digitalen daten: ein algorithmus kann nicht mehr informationen aus einem bild herausholen, als schon drin sind. ob das menschliche auge die sieht, ist eine andere frage (z.bsp. konstrastarme bereiche herausholen vermindert die datenmende, lässt aber anderes sichtbar machen).

> Vielleicht werden die Objektive ja in Zukunft einfach schlechter, jedoch in ihrer
> Schlechtigkeit besser bekannt, so daß man die Bildfehler eben besser herausrechnen
> kann. Nich ganz mein Fall, aber wenn mal überzeugendere Beispiele vorgestellt werden,
> dann nähme vielleicht auch ich ein 25 cm kurzes und 1,2 kg leichtes 50-400/2.8 DO-IS
> mit Plastelinsen und nachgeschalteter Korrekturrechnung.

ich weiss nicht. ich denke eher, dass sich die material-forschung (wie mit DO) regelmässig was neues ausdenkt. dass aber mit software für spezialgebiete nachgerechnet wird, halte ich für durchaus möglich.

gruss
nicola

Micha67
06.06.2004, 17:11
> solche ansätze haben sicher ihren nutzen, aber da solche umrechnungen
> wohl kaum ohne auflösungsverlust gemacht werden können, scheint für mich eine 'gute'
> rechnung eines objektives immer noch das wichtigste.

Nein, der Punkt ist, daß bei bekannten Bildfehlern ein Teil dieser Bildfehler mathematisch so beschrieben
und korrigiert werden kann, daß die reale Auflösung des Bildes erhöht werden kann:

____/¯¯¯\___/¯¯\_______
wird zu:
___/¯\_/¯\__/¯\/¯\______

Dies ist immer dann einem Schärfen nicht gleichzusetzen, wenn der Algorithmus durch Kenntnis der
typischen Abbildungsfehler des benutzten Objektivs intelligent in verschiedenen Bildfeldanteilen arbeitet
und mit den Grundfarben separat umgeht. Verwaschene Konturen und Auflösung kleinster Details würden
dadurch steigen können!

>> Was in der high-end-Mikroskopie> schon Gang und Gäbe
>> ist, könnte auch in der digitalen Fotografie hilfreich werden:> durch Kenntnis der
>> Abbildungseigenschaften einer mehr oder weniger perfekten> Optik kann diese 'point
>> spread function' genutzt werden, um Bilddaten mit einem> Objektiv-spezifischen Algorithmus
>> zu verrechnen, der die Auflösung nochmals steigert.

> einverstanden, nur dass damit nicht die auflösung besser wird, allerdings bekommt man damit sicher verzeichnungen,
> CA und andere optische fehler besser in den griff.

Eben nicht. Wenn Du die chromatische Längsaberration eines Teleobjektivs mathematisch beschreiben
und aus den Bildern herausrechnen könntest, so würdest Du mit normalen achromatisch korrigierten
Telebrennweiten im Idealfall die gleiche Schärfe und Auflösung erhalten wie mit den Apochromaten oder
super-Apochromaten der 'L'-Baureihen.

Verzeichnung (hatte ich schon gesagt) ist ein geometrischer Bildfehler und eine ganz andere Baustelle, bei der es bereits
ordentliche Lösungen (OK mit gewissem Auflösungsverlust) gibt.

> wegen vergrössern der auflösung: z.bsp. ein telekonverter kann auch nicht mehr
> auflösung herzaubern als die linse vor ihm (oder nach ihm) schafft. gleich verhält
> es sich mit digitalen daten: ein algorithmus kann nicht mehr informationen aus einem
> bild herausholen, als schon drin sind. ob das menschliche auge die sieht, ist eine
> andere frage (z.bsp. konstrastarme bereiche herausholen vermindert die datenmende,
> lässt aber anderes sichtbar machen).

Wir nutzen neben der Bildinformation zusätzlich Informationen zum Strahlengang des Objektivs!
Das macht einen gewaltigen Unterschied. Klar ist im Bild selbst die Information nicht steigerbar,
aber Du kannst die Signale im Bild dorthin verschieben, wo sie eigentlich stehen sollten. Dies kann
eine deutliche Steigerung der Detailerkennung bringen. Voraussetzung hierfür sind allerdings möglichst
Noise-arme und eng gesampelte Bilddaten. Perfekt für eine Korrektur der besonders Auflösungs-mindernden
longitudinalen CA wäre übrigens noch ein zusätzliches focus-bracketing (echte Mehrinformation).

Du kannst Dir das etwas platt so vorstellen, als wäre das Bild durch eine schlechte Optik analog zu einem
Funkspruch durch einen abhörsicheren Kodierer gegangen. Die Information ist nun im Signal enthalten, kann
aber nicht genutzt werden. Erst nach elektronischer/mathematischer Dekodierung ist das Originalsignal wieder
in vollem Umfang nutzbar. Wer über eine genaue Kenntnis der Verzerrungscharakteristik (Abbildungsfehler)
verfügt, der hat die Chance einen solchen Dekodierer zu entwickeln und dadurch die nutzbare Information zu steigern.