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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schärfeproblem 70-200 / 2,8 II



valkysas
08.11.2011, 16:45
Hallo Leute,

habe mir ein 70-200 / 2,8 II zugelegt. Wollte begeistert ein paar Studioaufnahmen machen aber irgendwie waren viele Bilder dabei die ich nicht so scharf fand wie ich das gerne hätte. Auf die Fokusierung selbst hab ich nicht immer 1000% geachtet d.h. es kann auch mal mein Fehler sein und auch die Kamera war suboptimal (alte 400D, ich weiß verschwendung so eine Linse an ner 400D zu bertreiben bald 7D).
Kann es aber sein, dass ich durch nen minimal verrutschten Fokus bei Blende 13 wirklich deswegen eine Unschärfe drinnen habe (zB Fokus auf Hand, Gesicht ist ein paar cm davor oder dahinter.. gleicht die hohe Blende das nicht spielend aus?)
Die Linse hab ich zwar gebraucht gekauft aber sie wurde auch schonmal von offizieller Seite durchgecheckt, also daran sollte es nicht liegen.

Viele Grüße,

Valkysas

PS: werde bei Interesse auch gern mal ein Beispielbild dranhängen

twoparts
08.11.2011, 18:56
Hallo Valkysas und an das Forum,

Da ich ebenfalls das EF 70-200 L IS II besitze, helfen Dir meine Erfahrungen mit dem Glas vielleicht ein kleines Stück weiter.

Das Objektiv würde ich in jeder Beziehung als sehr gut bezeichnen. In Bezug auf Schärfe, Kontrast, Autofokus etc. hatte ich noch nie einen Grund zum meckern. Ich denke, das entspricht auch im wesentlichen den Erfahrungen vieler anderer Fotografen.

Ich setze das Objektiv an verschiedenen aktuellen Gehäusen ein, ob es begründete Probleme mit der EOS 400 D gibt kann ich mangels Erfahrung mit der Kamera nicht sagen.
Jedoch warum sollte es?

Du sagst Studio, wie waren denn die konkreten Bedingungen?

• Stativ oder frei Hand
• IS an oder aus
• Abstand zum Fokuspunkt
• eingestellte Brennweite
• Lichtverhältnisse/Belichtungszeit
• statisches oder bewegtes Motiv

Nur als Beispiel:

Wenn Du bei Blende 13, und einer Brennweite von 100 mm einen Fokuspunkt im Abstand von 3 m zur Kamera gewählt hast, kannst Du einen Schärfetiefenbereich von ca. 44 cm nutzen, wobei sich ca 20 cm des Schärfebereichs vom Fokuspunkt hin zu Dir und ca. 24 cm vom Fokuspunkt nach hinten erstrecken.

Wenn Du bei diesen Parametern auf z.B. die Augen scharf stellst, solltest Du genügend Spielraum haben um ein scharfes Porträt zu erhalten.

Die Tiefe des akzeptabel scharfen Bereichs verändert sich natürlich je nachdem an welcher Schraube Du drehst. Die konkreten Werte für deine Kamera kannst Du mit einem DoF Rechner ermitteln. Da gibt es im Netz viele Quellen. Wenn Du ein Smartphone dein eigen nennst, gibt es da auch sehr praktische „Apps“.

Wenn Du sicher bist, das der theoretische Schärfetiefenbereich ausreicht und Du den Fokuspunkt richtig gelegt hast, jedoch das Foto an dieser Stelle unscharf ist, würde ich mal gezielt nach Front- oder Backfokus suchen. Jedoch glaube ich fast, so groß kann ein Fehlfokus bei einem neuen 70-200 gar nicht sein, das dies bei Blende 13 zum Problem wird.

Mach mal eine Belichtungsreihe vom Stativ auf ein statische Motiv, möglichst mit Fernauslöser. Vielleicht kommt ja auch der Autofokus der 400D in bewegten Situationen mit dem Objektiv nicht 100%ig klar.

Viele Grüße
twoparts

Timo.
08.11.2011, 19:19
habe mir ein 70-200 / 2,8 II zugelegt. Wollte begeistert ein paar Studioaufnahmen machen aber irgendwie waren viele Bilder dabei die ich nicht so scharf fand wie ich das gerne hätte. Auf die Fokusierung selbst hab ich nicht immer 1000% geachtet d.h. es kann auch mal mein Fehler sein und auch die Kamera war suboptimal (alte 400D, ich weiß verschwendung so eine Linse an ner 400D zu bertreiben bald 7D).
Kann es aber sein, dass ich durch nen minimal verrutschten Fokus bei Blende 13 wirklich deswegen eine Unschärfe drinnen habe (zB Fokus auf Hand, Gesicht ist ein paar cm davor oder dahinter.. gleicht die hohe Blende das nicht spielend aus?)

Wenn der Fokuspunkt auf dem Hintergrund lag, wird der Vordergrund in den meisten Fällen unscharf sein.:p
Aber da ich davon nicht ausgehe:
Die Belichtungszeit interessiert mich. Denn Blende 13 schluckt ja schon ordentlich Licht. Bei dem Punkt könnte man auch noch mit abnehmender Schärfe bei kleinerer Blende kommen, jedoch schließe ich das auch gänzlich aus.

Also bitte Infos zur Belichtunszeit.;)



Die Linse hab ich zwar gebraucht gekauft aber sie wurde auch schonmal von offizieller Seite durchgecheckt, also daran sollte es nicht liegen.

Eine Dezentrierung würde ich somit schonmal ausschließen.

Timo

valkysas
08.11.2011, 22:11
wow, danke ihr zwei...

also erstmal ergänzend:

• frei Hand
• IS an
• Abstand zum Fokuspunkt mal nen Meter mal fünf.. ich nehm jetzt ein Beispiel..Portraitbild bei 100 mm.. hmm ich glaub das wären 2 Meter oder so
• eingestellte Brennweite hier 100 mm
• Lichtverhältnisse/Belichtungszeit Studioblitz mit 1/160-1/250 - weniger lang geht ja leider nicht- bei ISO 100 :)
• statisches Motiv

Habe mal durchgeschaut und tatsächlich sind die Bilder die mir auffalen i.d.R. mit längerer Belichtungszeit (1/160) und kleinerer Blendenzahl (7.1) gemacht wurden und letzteres zumindest halbiert ja den Schärfenbereich fast.


Wenn der Fokuspunkt auf dem Hintergrund lag, wird der Vordergrund in den meisten Fällen unscharf sein.
Ja, da hast recht :) aber bei mir isses eher so Brust oder Lippe is ganz ok, Augen nicht und ich dachte beides liegt so ungefähr auf gleicher Ebene.. Wer ausversehen die Brust Fokusiert (naja irgendwie männlich) oder auch mal mit 150 mm reinzoomt der sollte halt die Blende wirklich auf 10+ stellen

Hätte nicht gedacht, dass Auge/Brust Ebenenmäßig so unterschiedlich sind aber da ich bei denen von ner Leiter Fotografiert habe ist das anscheinend noch verstärkt worden... sieht nach nem Anfängerfehler aus :O

Bei ein paar anderen Bildern weiß aber gar nicht wo der Fokus abgeblieben ist.. da muß ich mal drauf achten.. vielleicht schaff ich es eins der Bilder hochzuladen.

Den Rest - den ich bei manchen Bildern zu bemängeln hab ist - wahrscheinlich wirklich durch die alte 400D die eben nicht ganz so brilliant ist wie ne 7D oder 5D hervorgerufen.

Und danke für die AppInfo.. da kann ich mich mal richtig auseinandersetzen, dann gibts sowas hofentlich nicht mehr. Werde die Blende schön schließen und dann mal an der 7D ausprobieren und wenn ich nochwas zu beanstanden habe melde ich mich!

Viele Grüße! Valkysas

Timo.
08.11.2011, 22:27
Habe mal durchgeschaut und tatsächlich sind die Bilder die mir auffalen i.d.R. mit längerer Belichtungszeit (1/160) und kleinerer Blendenzahl (7.1) gemacht wurden und letzteres zumindest halbiert ja den Schärfenbereich fast.

Dann wirst du wahrscheinlich ein unruhiges Händchen haben, wenn du bei 1/160 verwackelst.:p
Aber ernsthaft: es wird wohl wirklich der Fokus sein.



Ja, da hast recht :) aber bei mir isses eher so Brust oder Lippe is ganz ok, Augen nicht und ich dachte beides liegt so ungefähr auf gleicher Ebene.. Wer ausversehen die Brust Fokusiert (naja irgendwie männlich) oder auch mal mit 150 mm reinzoomt der sollte halt die Blende wirklich auf 10+ stellenAber keine Entschuldigung.:D
Fokussier auf die weiblichen Augen, kommt auch bei den Frauen besser an.;):D


Den Rest - den ich bei manchen Bildern zu bemängeln hab ist - wahrscheinlich wirklich durch die alte 400D die eben nicht ganz so brilliant ist wie ne 7D oder 5D hervorgerufen. Das bezweifel ich recht stark. Die 400D liefert von der Qualität her keine sichtbar schlechteren Bilder (ASA 100 als Richtwert).
Die 7D soll laut einiger Aussagen eine Zicke sein, die man erstmal bändigen muss.
Mit der 5D würde halt der (in dem Fall) lästige Crop wegfallen. Außerdem geringeres Rauschen. Macht dann aber letztendlich auch nur in höheren ASA-Bereichen Sinn.

Timo

twoparts
08.11.2011, 22:28
Nur ein Gedanke noch von mir. Wenn Du von einer Leiter schräg nach unten fotografierst ergibt sich unter Umständen durch die entstehende Diagonale ein größerer benötigter Schärfentiefenbereich. Da liegen eben Brust und Auge ganz schnell nicht mehr gemeinsam im scharfen Bereich.

Wenn Du öfter mit außergewöhnlichen Perspektiven arbeitest, vielleicht bringt dir da ein 90 mm Tilt & Shift etwas. Manuellen Fokus setzen und Schärfeebene verschieben, dann kannst Du auch mit wesentlich größerer Blende arbeiten.

twoparts

valkysas
09.11.2011, 00:45
Mit der 5D hast Du sicherlich recht aber ich würde gerne auf die nächste Generation warten und meine alte Cam unbedingt ablösen..
Daher werde ich mir eine gebrauchte 7D für um die 900 € kaufen und dann in 2 Jahren die 5DMark3. Mein Standardobjektiv ist das 17-55 EFS 2.8, genial wie ich finde aber das ist nicht Vollformattauglich, daher wechsele ich mit etwas Vorlauf.

Hmm ok dann würde ich euch bitten mal draufzuschauen.. das sind 2 schlimme Beispiele bei denen ich die Schärfe einfach voll "off" finde.. und ja ich weiß schärfe soll im Gesicht liegen aber mir gehts hier ums allgemeine
http://www.bilderload.com/thumb/154387/img01230PY4Y.jpg (http://www.bilderload.com/bild/154387/img01230PY4Y.jpg)
F7.1 1/160 125mm
ok wenn ich den Fehler gemacht hab und das Gesicht nicht fokusiert hab müsste doch auch das Kettchen anders aussehen als.. öhm Mist

http://www.bilderload.com/thumb/154392/img0040UDQX5.jpg (http://www.bilderload.com/bild/154392/img0040UDQX5.jpg)
F8 1/160 80mm
Und da is ja nix scharf

twoparts
09.11.2011, 12:01
Vielen Dank, das Du die beiden Bilder reingestellt hast.

Unabhängig von dem Schärfethema sehe ich für meinen Teil auch noch einen anderen Bereich wo Du vielleicht ebenfalls noch ein paar Gedanken investieren solltest, der hat aber ebenfalls irgendwie auch mit der Schärfe zu tun.

Zuerst zur Schärfe. Bei beiden Fotos liegt meiner Meinung nach der Fokuspunkt falsch. Beim zweiten Bild irgendwo in der Mitte des Scheitels, beim ersten habe ich ihn gar nicht gefunden.

Beim betrachten der beiden Fotos ist mir persönlich aber etwas ganz anderes aufgefallen und vielleicht ist es sinnvoll darüber ein paar Gedanken auszutauschen und am Beispiel der beiden Fotos etwas zu diskutieren.

Wie setze ich weibliche Porträts vorteilhaft in Szene, wie arbeite ich mit dem Licht, ist alles scharf auch immer gut, habe ich eine bildgestalterische Idee?

Ich persönlich habe große Hochachtung vor diesem Genre, ich denke dort muss unheimlich viel auf den Punkt stimmen. Ich finde es jedoch toll, wenn Du dich mit diesem Thema beschäftigst – jedes Bild bringt einen weiter.

Nur ein paar Punkte, die mich bei Deinen Bildern stören.
Bitte verstehe meine persönliche Meinung nicht negativ.

• das Licht ist mir zu hart und zu undifferenziert gesetzt
• unschöne Schattenbildung im Gesicht
• die Personen erscheinen zu statisch
• eine Bildidee wird für mich nicht richtig deutlich
• Interaktion fehlt in meinen Augen

Versuche doch mal folgenden Lichtaufbau als Ausgangspunkt. Am besten mit Standlicht um die Wirkung vorauszusehen.
Ein Seitenlicht Hauptlicht) von oben, links von der Kamera (45 Grad zum Motiv), ein Aufhelllicht von vorn auf Höhe des Kopfes und ein Backlight hinter dem Motiv, entweder von unten oder von außerhalb der Bildfläche – auf jeden Fall die Lichtquelle selbst unsichtbar. Damit gibst du dem Kopf/Haaren eine gewisse Aura/Lichtsaum etc. und vielleicht noch eine vierte Lichtquelle um eventuell den Hintergrund ins Spiel zu bringen.

Fang mit dem Hauptlicht an, erst wenn Du damit zufrieden bist kommt das nächste an die Reihe usw.
Das ist jetzt erst einmal auch sehr statisch, jedoch vielleicht eine gute Basis für Weiteres.

Ich würde harte Schatte seitlich und unter der Nase bei einem weiblichen Gesicht gänzlich vermeiden.
Auch die Augenhöhlen sollte man im Blick haben. Ich will damit nicht sagen, das Schatten im Gesicht bei einer entsprechenden Bildidee generell keine gestalterische Berechtigung hätten.
Bei deinem Bildaufbau würde ich sie jedoch vermeiden.

Mir persönlich gefallen Porträts die etwas über die Person erzählen (eben Porträt).
Besonders dann, wenn sie natürlich wirken, Licht, Farbe, Körperhaltung und Szenerie den Typ unterstreichen.
(lässig, elegant, geheimnisvoll etc.)

In diesem Zusammenhang bin ich wieder bei der Schärfe angekommen. Ich finde eine gut gesetzte selektive Schärfe bei Porträts oft viel schöner als überall alles scharf. Gut gesetzte Kontraste wie scharf/unscharf, hell/dunkel, komplementäre Farbigkeit etc. erzeugen Flächen und Linien. Dies alles gut ins Format gestellt erzeugt Spannung im Bild.

Entschuldige bitte, ich merke gerade das es Dir ja nur um die Schärfe ging und ich quatsche dich hier voll.
Also, das mit dem Fokuspunkt musst Du noch mal checken. ;-)

twoparts

valkysas
09.11.2011, 12:58
Hey twoparts,
keine Entschuldigung nötig.. fand die Ausführungen sehr interessant.. Komme aus Event- und Konzertfotografie und vor allem bei letzterem hat man keine Möglichkeit das Licht zu beeinflussen. Ich möchte einfach mal reinschnuppern und mit dem Licht experimentieren und da sind solche Ausführungen ja sehr hilfreich. Letztes Mal hatte ich auch mehrere Lichter verwendet, das sollte ich auch wieder tun.. erstmal mit Deinem Testaufbau, dann experimentieren.
Über Interaktion und Aussage mache ich mir nochmal gedanken wobei ich sagen muß, dass die rausgesuchten Bilder nicht das "Ergebnis" sondern Zwischenschritte, die entgültigen Bilder finde ich persönlich von dem Aspekt viel besser, sind zum Glück auch etwas schärfer
Bei den restlichen Punkten hast Du leider recht - Übung macht den Meister, hab da noch viel zu tun in der Richtung

Ja also ist dann wirklich falsch Fokusiert, dann bin ich da schonmal beruhigt :)

Viele Grüße,

Valkysas

kk3
09.11.2011, 14:55
Kleine Ergänzung noch. Bei dieser Linse verzieht sich die Schärfe leider extrem stark, wenn man am Zoom dreht. Ist mir noch bei keinem anderen Objektiv dermaßen krass aufgefallen. Also: Nach jeder Berührung des Zoom-Rings muss wieder neu Fokussiert werden. Schon bei einer Brennweite-Änderung von wenigen Millimetern wandert die Schärfeebene deutlich. Ich habe 4 Objektive in der Hand gehabt und bei allen tritt dieses Problem auf. Laut Canon ist das normal für die Linse "dafür hat man ja Autofokus".
Mich persönlich stört es leider und ich muss meine Arbeitsweise ziemlich umstellen und hab trotzdem immer wieder unscharfe Bilder, weil ich doch mal den Zoom betätige und der AF gerade z.B. nicht ganz genau auf dem Auge sitzt.
VG kk3

twoparts
09.11.2011, 15:02
@kk3,

Wechsel mal auf AI Servo, fokussiere und ändere die Brennweite – der Fokus folgt dann eigentlich ganz gut.

twoparts

valkysas
09.11.2011, 22:39
das ist natürlich was was ich auch nicht bedacht habe.. ich habe oft am Zoom gedreht und rumgetestet, so viele produktives Feedback.. da will ich gleich nochmal n Shooting machen.. danke Euch!

GrenzGaenger
11.11.2011, 18:37
KK3: das steht aber auch so in der BDA, dass man da nach ändern der BW erst die Schärfe einstellen darf resp. muss :D

Also keine Fehlfunktion, sondern worked as desingned.

Daher Merke, erst Brennweite definieren, dann Schärfe nehmen :)

Schöne Grüsse
Wolf