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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Moderne" Vergütung ein Dynamik-Killer?



praktinafan
24.03.2014, 02:15
Ist in Punkto Dynamik mehr gefordert und du musst dich aufs schwache Canon-System beschränken, bleibt aus meiner Sicht nur noch das Olympus OM 2/40 übrig. Es ist dem Ultron überlegen, weils keine dynamikschluckende moderne Vergütung hat.
Noch besser fährst du aber, wenn du auf noch ältere Objektive (möglichst ohne Vergütung) ausweichen kannst, aber hier hast du bei Canon schlechte Karten. Aber vielleicht planst du eh was Spiegelloses als Zusatz...

- Ich fahre mit einem unvergüteten 2/40 Biotar (aus der Robot) an der A7r ganz gut. Noch besser gefällt mir sogar ein 2/40er Sonnar, was aber zur abschließenden Einschätzung noch gereinigt gehört.

Mit einer A7 könntest du dann auch aufs Minolta CL2/40 für Leica ausweichen ...

Was bitte bedeutet hier "Dynamik"? In wie fern schadet bitte eine "moderne" Vergütung der Dynamik?

Nach meiner Erfahrung nach besitzt das 40er Ultron eine hervorragende Dynamik im Sinne von: Detailwiedergabe, Farbwiedergabe und Kontrast.

Alte, schlecht oder gar nicht vergütete Objektive krachen ein, sobald Streulicht unterwegs ist. Dann ist’s aus mit der Dynamik.

TriStar
24.03.2014, 09:09
Der Dynamikumfang beschreibt, wie groß die Kontraste zwischen dem hellsten (weiß) und dunkelsten Bereich (schwarz) im Bild sind. Angenommen deine Kamera (und Objektiv) schafft 11 Blendenstufen, dann entspricht der unterschied zwischen den beiden Bereichen im Bild 11 Blenden. Kann eine andere Kamera (und Objektiv) aber z.B. 15 Blendenstufen, dann liegt hier der Belichtungsspielraum eben weiter, da zwischen dem dunkelsten und hellsten bereich im Bild ein Unterschied von 15 Blendenstufen vorliegt. Heist in der Praxis: Schatten können durchzeichnet werden und Lichter reißen nicht so schnell ab.

Am besten wird das anhand des Zonensystems (http://de.wikipedia.org/wiki/Zonensystem) deutlich.

Und ansonsten wäre hier noch ein interessanter Bilder-Fred:
Pre-war Leica Glass (http://www.rangefinderforum.com/forums/showthread.php?t=106875)

praktinafan
24.03.2014, 09:33
Danke, TriStar.

Kann sein, dass Leica-Objektive einfach viel viel besser sind als all jene (wenige) Gläschen, die ich bisher auf Film oder digital bespielt habe. Ohne massive EBV waren ähnliche Bildergebnisse wie im diesem Fred nicht zu erreichen: Sobald ein wenig Gegenlicht/Streulicht im Bild war (Himmel reicht schon) gab es deutliche Kontrastverluste. Da hilft die beste Dynamik nichts, wenn das Bild verdorben ist.

Einziger – aber mehr theoretischer Vorteil – wäre nach meiner Erkenntnis eine etwas feinere Auflösung bei Objektiven ohne Vergütung.

ehemaliger Benutzer
24.03.2014, 10:41
Der erreichbare Dynamikumfang wird doch wohl in erster Linie durch den Sensor der Kamera und nicht das verwendete Objektiv bestimmt, oder? ;)

praktinafan
24.03.2014, 10:51
Der erreichbare Dynamikumfang wird doch wohl in erster Linie durch den Sensor der Kamera und nicht das verwendete Objektiv bestimmt, oder? ;)

Natürlich.
Daher sehe ich das eher als theoretische Diskussion an.
Ich vermute, dass die Vertreter der Meinung "altes Glas hat mehr Dynamikumfang" der weicheren Abbildungsleistung, dem schwächeren Kontrast der alten Gläser auf den Leim gehen.

sting_
24.03.2014, 10:53
Auf eine Vergütung, speziell auf der Rücklinse, zu verzichten, ist bei Digitalkameras nicht besonders günstig, weil durch den glatten Sensor Reflexionen entstehen können und mit großer Wahrscheinlichkeit auch entstehen. DAS schluckt Dynamik.

Die Besonderheit der älteren Objektive aus der Manuellfokuszeit liegt mE nicht darin, dass sie keine (gibt es das überhaupt in den letzten 80Jahren?) oder eine andere Vergütung haben, sondern dass diese auf komplett anderen Gläsern aufbauen. Diese dürfen in Europa so nicht mehr produziert oder neu verkauft werden (bleihaltige Gläser, teilweise radiaktive Zusätze).

Nach der Umstellung auf neue Gläser erreichte man eine Zeit lang nur schwer die optischen Qualitäten aus früheren Zeiten, aber das ist mittlerweile Vergangenheit. Neue Materialien und Fertigungsmethoden stellen alte Spitzenleistungen in den Schatten.

uliba
24.03.2014, 11:25
Wie kann denn eine Vergütung den Dynamikumfang reduzieren? Das würde dann ja bedeuten, dass die Vergütung ein nichtlineares Transmissionsverhalten aufweist. Nichtlinear bezieht sich hier aber auf die Gesamthelligkeit. Exakter müssten sich die Transmission dann in Abhängigkeit vom Lichtstrom ändern. Der Effekt bei konstanen Lichtverhältnissen von der Belichtungszeit abhängen.

TriStar
24.03.2014, 14:35
Ist hab nur den Link eingebettet, Da es dort eben speziell um diese alten Gläser geht. Ich persönlich besitze keine Leica-Gläser. Aus den oben genannten Gründen kann ich auch die ursprüngliche Frage nicht nachvollziehen bzw. Halte den Effekt für gering oder vernachlässigbar.

Artefakt
24.03.2014, 14:56
Also, in der guten alten Zeit der Fixbrennweiten waren viele Optiken kontrastreicher, eben wegen der erstklassigen Vergütung, und weil sie keine Zooms waren. Die vielen Linsen der Zooms, gepaart mit anderen Unzulänglichkeiten haben besonders die Super-Zooms zu so matschigen Dingern gemacht. Da ist oft nichts mehr knackig. Viele Linsen-Oberflächen mindern den Kontrast und die Schärfe, auch Gegenlicht ...

Mir sind möglichst kontrastreiche Optiken lieber - das ist ein Zeichen von Qualität. Die sind dann auch schärfer. Keine Angst - mehr als an Kontrast da ist im Motiv, kann keine Optik übertragen. Aber sie sollte auch möglichst wenig vernichten!

Die zweite Sache ist der Sensor. Der kann auch eher weicher oder härter arbeiten bzw. weniger oder mehr Belichtungsumfang bewältigen. Wieder eine Erfahrung von früher: Bei Nebel habe ich damals einen kontrastreicheren Film genommen, bei Portraits einen weicheren. Heutzutage kann man bei JPEG im Menü der Kamera bzw. bei RAW in der EBV noch schön dran drehen. Das sind Möglichkeiten, die wir uns damals gewünscht hätten.

Gruß, Dietmar

www.abcdesign.at

kr@utg
30.04.2014, 23:13
Hallo,
aufgrund von Streulicht, internen Reflexionen und anderen Faktoren (z.B. weniger gute Vergütung) kann das Objektiv schon ein limitierender Faktor bei der Dynamik sein, da die schwarzen Anteile dann nicht mehr schwarz, sondern etwas aufgehellt sind.
Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Abbildungsfehler#Streulicht.2FFalschlicht
Viele Grüße
Michael