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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was ist die Standard-Brennweite für Portraits?



snowhite
29.11.2015, 15:23
Mein Cousin hat sich im Sommer seine erste DSLR (eine EOS 700D) gekauft und möchte nun seinen Objektiv-Park mit einer Portrait-Linse erweitern.

Ich habe ihm erklärt, dass soweit ich weiß 50 mm die Standard-Brennweite ist, aber er hat auch von 60 mm und 35 mm gelesen.

Nun frage ich mich, ob es überhaupt eine Standard-Brennweite dafür gibt, oder ob das, natürlich abgesehen von der Sensorgröße, auch eine Geschmackssache ist? Was ist eure Meinung dazu?

sting_
29.11.2015, 15:55
Die technischen Grenzen der Brennweiten bei Portraits ergeben sich meistens folgenderweise, dazwischen bleibt viel Raum für Geschmack und Vorlieben sowie Verfügbarkeit von Linsen:
- Maximale Brennweite: Platzverhältnisse, also maximal möglicher Abstand zur Person.
- Minimale Brennweite: Perspektivische Verzerrung wird unschön.

Unterm Strich kann man mit einem 50mm oder 60mm am APS-C Sensor ganz gute Portraits machen, für Ganzkörper (auch) mit entsprechend weniger Brennweite.

Den alten Begriff eines 50mm-Kleinbild-"Standardobjektivs" würde ich nicht zu ernst nehmen, das war ganz einfach meistens das günstigste lichtstarke "Kit"-Objektiv zum Gehäuse, als Zoomobjektive noch nicht allzu gut abgebildet haben.

LG
Andreas

Artefakt
29.11.2015, 16:54
Zu Analogzeiten war DIE Portrait-Brennweite 85mm. Das gilt natürlich auch für Vollformat-Chips. 85mm ist quasi als Untergrenze zu sehen. Es geht um das Gesicht bzw. die Nase - bei kürzeren Brennweiten und formatfüllenden Portraits muss man schon ordentlich dicht an die Person ran, und dann wirkt wegen der Perspektive die Nase zu lang. Tele-Wirkung schmeichelt der fotografierten Person. Man kann auch mit kürzeren Brennweiten Portraits machen, indem man weiter weg bleibt und dann einen Ausschnitt macht. Das ging bei Dias früher nicht :-)

Man kann aber auch mit mehr als 85mm schöne Portraits machen, mit 100mm, mit 135mm, auch noch mit 150mm ... je länger die Brennweite, desto weiter weg wird der Fotograf sein müssen. Irgendwann wird das Studio dann zu kurz, um noch den entsprechenden Abstand zu haben - es soll der Kopf ja meist nicht angeschnitten werden ...

Zurück zur EOS 700D: Das ist eine Crop-Kamera, somit ist das Aufnahmeformat um den Faktor 1,6 kleiner und damit auch die Standardbrennweite. Wenn wir beim Vollformat 45 bis 50mm als Standardbrennweite haben (was dem natürlichen Sehen entspricht und auch der Diagonale des Aufnahmeformats), dann sind es bei der EOS 700D rund 31mm. Eine Portrait-Brennweite für dieses Format ist also schon ein 50mm-Objektiv.

Portrait-Objektive sollten etwas lichtstärker sein, als es für Landschaftsobjektive notwendig ist. Also 2 bis 2,8 als Anfangslichtstärke ist gut für Portraits. So gesehen kann man ein 1,8/50 gut als Crop-Portrait-Objektiv verwenden (ist auch schön günstig), auch das 2,5/50 Makro (mit dem Zusatznutzen der Nahaufnahmen), genauso das 1,8/85mm ...

Es geht natürlich auch das EF-S 2,8/17-55 ganz hervorragend ...

Schönen Gruß, Dietmar

www.abcdesign.at

GrenzGaenger
29.11.2015, 21:01
Eigentlich hat Dietmar alles gesagt, zusammenfassend für KB 85-135mm gelegentlich Ausnahmen von 200 und 50mm und für spezielle Effekte dann auch mal drüber oder im WW Bereich wildern ;)

Für Crop kannst es dir ja passend umrechnen.

Zur Lichtstärke, natürlich so schnell als möglich, am besten 1.2f, gibt mehr kreativen Freiraum :)

Schöne Grüße
Wolf

Dortmunder
30.11.2015, 15:54
....
Zur Lichtstärke, natürlich so schnell als möglich, am besten 1.2f, gibt mehr kreativen Freiraum :)
Aber für eine erste Kam (700D) ist der Preis für so einen superlichtstarken Glasbrocken dann doch über Ziel hinaus ...

kalli1
30.11.2015, 17:12
Hallo,

ich würde erstmal ein 50mm 1.8 STM ( habe ich an der 60d) kaufen und damit Erfahrungen sammeln. Oder ein gebrauchtes Sigma 50mm 1.4 EX - das sollte man aber testen - wenns passt wohl sehr gut.

Kalli

snowhite
01.12.2015, 18:33
Vielen Dank für eure Antworten!

OK dann ist der Begriff "Standard-Brennweite" in diesem Fall nicht unbedingt angebracht, aber ich bin zumindest mit meinen 50 mm offensichtlich richtig gelegen. :)

Von Sigma habe ich erst in meinem Oktober-Urlaub das 50 mm f1.4 Art getestet, aber das kostet erstens natürlich mehr und zweitens wird es denk ich noch nicht gebraucht erhältlich sein. Wie groß ist der Unterschied zur EX-Version? Und natürlich auch zum f1.8 STM?

Artefakt
02.12.2015, 09:21
Vielen Dank für eure Antworten!

OK dann ist der Begriff "Standard-Brennweite" in diesem Fall nicht unbedingt angebracht, aber ich bin zumindest mit meinen 50 mm offensichtlich richtig gelegen. :)

Von Sigma habe ich erst in meinem Oktober-Urlaub das 50 mm f1.4 Art getestet, aber das kostet erstens natürlich mehr und zweitens wird es denk ich noch nicht gebraucht erhältlich sein. Wie groß ist der Unterschied zur EX-Version? Und natürlich auch zum f1.8 STM?

Laut "The-Digital-Picture.com" ist das Sigma EX bei Offenblende relativ weich, besonders in den Randbereichen. Das Sigma Art ist eine Klasse für sich, bei Offenblende scharf bis zum Rand. Das Canon STM liegt dazwischen, näher beim Art. Das ist jetzt alles bei Offenblende gemeint. Portraits macht man ja eher mit weit offener Blende, damit es wenig Schärfentiefe gibt und der Hintergrund schön weich/unscharf wird. Überhaupt gibt es Fotografen, die meinen, dass ein Portrait-Objektiv nicht zu scharf sein darf, weil das der abgebildeten Person meist nicht so schmeichelt, wenn jede Pore (und jeder Pickel :-) knackscharf ist ... Hamilton hat es aber mit seinen vaselinebeschmierten Frontlinsen damals vielleicht ein bisschen zu weit getrieben mit diesen verträumten, unscharfen Bildern ... :-)

Abgeblendet (z.B. für Landschaft usw.) werden sie alle scharf. Das Canon STM ist bei Blende 4 schon knackscharf. Es ist auch deutlich besser als seine Vorgänger ohne STM. Klare Empfehlung für Dich aus Vernunftgründen, d.h. vom Verhältnis Preis/Leistung, wäre also das Canon STM.

Canon hat in der STM-Objektivreihe einige gute Überarbeitungen hinsichtlich der Schärfeleistung vorgenommen.

Gruß, Dietmar

www.abcdesign.at

snowhite
06.12.2015, 17:33
Vielen Dank für deine Erklärung, die ich gerne weitergeben werde. :)

Aber das STM hat die Blendengröße von f1.8 und das Art jene von f1.4. Wie sehr ist dieser Unterschied bei Portrait-Fotografie relevant?

Artefakt
06.12.2015, 19:20
... Aber das STM hat die Blendengröße von f1.8 und das Art jene von f1.4. Wie sehr ist dieser Unterschied bei Portrait-Fotografie relevant?

So gut wie überhaupt nicht. Bei Offenblende muss man ohnehin aufpassen, dass nicht nur die Augen scharf sind, und die Nasenspitze nicht mehr ... Der Preis ist der größte Unterschied ...

Gruß, Dietmar

www.abcdesign.at

sting_
06.12.2015, 21:30
So gut wie überhaupt nicht. Bei Offenblende muss man ohnehin aufpassen, dass nicht nur die Augen scharf sind, und die Nasenspitze nicht mehr ... Der Preis ist der größte Unterschied ...

Gruß, Dietmar

www.abcdesign.at

Da kann ich zu 100% zustimmen.

Ein weiterer relevanter Unterschied wäre das Gewicht. Das STM ist angenehm klein und leicht, wogegen das Art ziemlich groß und schwer ist (für ein 50er).

snowhite
07.12.2015, 23:07
Vielen Dank für eure Erklärungen!

Und ist beim Art kein wirkliches Qualitätsvorteil zu sehen?

Das Gewicht und der Preis sind für meinen Cousin (der Glückliche!) kein Problem.

Sorry, ich weiß, dass Fragen über Fragen sind, aber jetzt hat mich das Thema voll mitgenommen. ;-)

sting_
08.12.2015, 12:28
Und ist beim Art kein wirkliches Qualitätsvorteil zu sehen?

Doch, ein merkbarer Unterschied ist schon vorhanden, im Wesentlichen die tadellose Abbildung bereits bei Offenblende fast bis zu den Ecken. Mit dem Art kann man deutlich besser freistellen und es hat meiner Meinung nach einen schöneren Unschärfebereich.

Das STM wird erst leicht abgeblendet so richtig scharf und kontrastreich. Mit einer guten Nachbearbeitung der Bilder sollte das aber kein Problem darstellen.

Biotar
08.12.2015, 14:20
Das Art ist für eine 700D einfach zu viel, während das STM wenigstens auch hier noch den Vorteil beim Filmen hat - war doch so, oder nicht?

Hermann Klecker
09.12.2015, 02:33
Das Art ist für eine 700D einfach zu viel, während das STM wenigstens auch hier noch den Vorteil beim Filmen hat - war doch so, oder nicht?

Wie kann ein Objektiv für ein Gehäuse "zu viel" sein?

Gut möglich, dass ein Gehäuse ein super tolles nicht bis an seine Leistungsgrenze ausreizt. Aber das wäre eine ganz andere Aussage.

Hermann Klecker
09.12.2015, 02:36
Mein Cousin hat sich im Sommer seine erste DSLR (eine EOS 700D) gekauft und möchte nun seinen Objektiv-Park mit einer Portrait-Linse erweitern.

Ich habe ihm erklärt, dass soweit ich weiß 50 mm die Standard-Brennweite ist, aber er hat auch von 60 mm und 35 mm gelesen.

Nun frage ich mich, ob es überhaupt eine Standard-Brennweite dafür gibt, oder ob das, natürlich abgesehen von der Sensorgröße, auch eine Geschmackssache ist? Was ist eure Meinung dazu?

Eine verbreitete Standard-Brennweite an Kleinbild ist 85mm.
Natürlich ist das auch Gechmacksache. Brennweiten bis 135mm sind ebenfalls sehr verbreitet.

Weitere sind möglich, aber Du hattest sicher aus gutem Grund nach dem Standard gefragt.

An ca. APS-C Crops entspricht das ca 50mm bis 85mm.

Und das deckt sich durch meine Erfahrung. Kürzer sollte es nicht sein, ausser zur Effekthascherei. (kann aber Spaß machen)
Länger geht eher. In Studios ist für längere Brennweiten oft nicht genug Platz.

snowhite
09.12.2015, 23:18
Vielen Dank für eure Antworten!

Dann ist das 50 mm f1.4 Art von Sigma wenn ich das richtig verstanden habe die bessere Option und ich werde das so meinem Cousin weitergeben. Dann muss er letztendlich ohnehin selbst entscheiden, ob er gleich dieses Objektiv kauft oder zunächst beide Linsen testet?! ;)

sting_
10.12.2015, 21:40
.... selbst entscheiden, ob er gleich dieses Objektiv kauft oder zunächst beide Linsen testet?! ;)

Ich würde das 50 STM testen, und wenn es passt (was ich erwarte), dann passt es eben. Beim APS-C-Fomat und auch in der Portraitfotografie kommen die besonderen "Rand"-Vorteile des SIGMA Art kaum zum Tragen.