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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Offenblende = Offenblende? Wirkung auf die Schärfe



michaeloeser
19.08.2017, 14:22
Salute zusammen,

mal wieder ne technische Frage. Es ist ja so, dass ein Objektiv bei Blende 1.8 in der Regel etwas weniger scharf ist, als bei z.B 5.6. Bedeutet dass bei einem Zoomobjektiv, das nicht unter 5.6 geht, dann entsprechend, dass der ähnliche Effekt in Sachen Schärfenzunahme erst durch noch weiteres Abblenden erreicht wird, oder ist bereits bei der Offenblende 5.6 eine entsprechende Schärfeleistung zu erwarten? Anderherum gefragt: Ist f/5.6 = f/5.6 oder ist Offenblende = Offenblende? Beim einen halt 1.8 und beim anderen 5.6 bei ähnlicher Auswirkung auf die Schärfe.

Ist klar, was ich meine???

Ich weiß, dass die Frage recht theoretisch ist, aber vielleicht gibt es ja ganz einfach doch eine rein technisch/physikalische Antwort.

sting_
19.08.2017, 15:09
Förderliche Blende ist der Begriff, den du wahrscheinlich suchst.
Abblenden verbessert in der Regel die Schärfe, die Beugungseffekte und Oberflächeneffekte arbeiten dagegen, und irgendwo liegt dann das Optimum.

https://fotoschule.fotocommunity.de/foerderliche-blende-welche-blende-ist-meine-schaerfste/

michaeloeser
19.08.2017, 15:22
Förderliche Blende ist der Begriff, den du wahrscheinlich suchst.

Ich suche gar nicht unbedingt nach dem Begriff. Ich frage mich nur, ob die Schärfe bei einem Objektiv, dass max f/5.6 Offenblende kann, eben bei dieser Blende theoretisch vergleichbar ist mit der f/5.6 eines 1.8er Objektivs bei dem das ja bereits abgeblendet ist. Oder müsste man, um einen vergleichbaren Effekt zu erzielen, bei dem Objektiv ebenfalls um 3 - 4 Blenden abblenden?

Theorie, ich weiß.

sting_
19.08.2017, 15:42
Das kommt natürlich individuell auf die zu vergleichenden Objektive an.
Im gewünschten Vergleich müsste man die Auflösungskurven übereinander legen.
Kontinuierliche Diagramme oder Einzelwerte je Blende gibt es bei den vielen Objektivtests, da kann man viel vergleichen.

Die teuren Supertele sind bei Offenblende bereits exzellent und die förderliche Blende liegt nicht selten nahe an der Offenblende.
Natürlich kann ein solches Supertele dann offen sichtbar besser sein als so manche abgeblendete Lichtriesengurke.
Wie gesagt, es kommt auf die jeweiligen Objektive und deren Ausgangsniveau an.

Wernfried
19.08.2017, 16:02
Bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Offenblende) heisst es:
Bei Offenblende treten Fehler des Objektivs am deutlichsten hervor. Insbesondere leiden bei Offenblende erstellte Bilder oft an Vignettierungen, mangelndem Kontrast und verminderter Allgemeinschärfe.

Wenn ein Bild bei Offenblende weniger schart ist, liegt es wohl weniger an der Physik als am technisch mach- und bezahlbaren. Deshalb wirst du im Netz auch kaum eine Formel dazu finden, im Gegensatz zur Tiefenschärfe u.ä.

Gruss

michaeloeser
19.08.2017, 16:38
Mir ist völlig bewusst, dass ich Objektiv A nicht unbedingt mit Objektiv B vergleichen kann, aber mir ging es auch nicht um einen genauen Vergleich. Ich wollte nur wissen, ob sich z.B. ein Zoomobjektiv bei dem Blende 5.6 bereits die Offenblende ist theoretisch vergleichbar verhält wie ein lichtstärkeres Objektiv bei gleicher Blende.

Vielleicht etwas anders ausgedrückt: Wenn man einer Blende einen Schärfeindex zuweise könnte, dann wäre der bei 5.6 immer gleich. Egal, ob das bei einem Objektiv die Offenblende oder bei einem anderen Objektiv 4 Stufen abgeblendet ist.

Aber mittlerweile denke ich, dass der Vergleich ganz einfach gar nicht funktioniert und das Schärfeverhalten doch sehr individuell Objektivabhängig ist. Also nicht mal völlig theoretisch irgendwie miteinader vergleichbar ist.

Also vergesst mein Geschwafel und habt ein schönes Wochenende ;-)

notaufnahme
19.08.2017, 17:25
Das Canon 70- 200 2.8 IS II ist bei Offenblende und 5.6 von 70 bis 200 superscharf. Das Sigma 150-600 ist weder bei Offenblende (5.0-6.3) noch abgeblendet bei keiner Brennweite nur annähernd so scharf.
Das Canon 85 1.2 II ist bei Offenblende so scharf und brillant dass es eine Freude ist.

hs
19.08.2017, 18:09
Aber mittlerweile denke ich, dass der Vergleich ganz einfach gar nicht funktioniert und das Schärfeverhalten doch sehr individuell Objektivabhängig ist.

So ist es, jedes Objektiv ist anders bzgl. maximaler Schärfe, manche Linsen sind nie wirklich scharf, andere dafür bereits bei Offenblende. Irgend womit muss ja auch der Preisunterschied gerechtfertigt sein. ;)

dieseltuner
19.08.2017, 20:06
Früher war die Faustregel beste Abbildungsleistung beim Abblenden um 2-3 Stufen also
Bei einem 1,4er bei 2,8 bis4,0 bzw. beim 5,6er erst bei 11,0 bis 16,0.Es gibt aber auch ein
paar meist hochpreisige Optiken die bereits offenblendig ihre maximale Abbildungsleistung
haben oder wo man durch Abblenden nur noch eine Verbesserung an den Raendern warnehmen
kann.
l. G. dieseltuner

Chickenhead
22.08.2017, 20:03
Die meisten Objektive haben ihre Maximalleistung nicht bei Offenblende. Eine hochlichstarke Optik mit f1,2 oder 1,4 ist bei f5,6 aber meist über ihrem Auflösungsmaximum hinaus und wird wieder schlechter. Man kann also eher nicht davon sprechen, das f5,6 = f5,6 ist. Eher kann man sagen das Offenblende= Offenblende ist (also nicht das Optimum). Aber es gibt eben ein sehr breites Spektrum und das zu pauschalisieren ist nicht nur schwer, sondern verbietet sich sogar eigentlich.

Artefakt
24.08.2017, 14:04
Was ich über die Jahre so beobachtet habe - nur so ein paar Gedanken:

- Tele-Zooms sind meist gut auch weit offen einsetzbar. Der Brennweitenbereich ist üblicherweise nicht mehr als 3x, manchmal bis 4x. Gerade bei diesen Objektiven braucht man die Offenblend-Schärfe auch, damit die Belichtungszeiten nicht zu lang werden für verwacklungsfreie Bilder.

- Besonders die lichtstarken Weitwinkel-Zooms sollten üblicherweise abgeblendet werden, was aber nicht so wehtut, weil diese meist für Landschaft bzw. Architektur eingesetzt werden. Offensichtlich wird es mit zunehmender Lichtstärke besonders bei UWW-Objektiven schwer, die Schärfe bis zum Rand konstruktiv und erschwinglich zu erreichen. Das 4/16-35L IS dagegen ist bei Offenblende schon scharf, wie ich es bei UWW-Zooms nicht für möglich gehalten hätte.

- Standard-Zooms sind leicht abgeblendet gut.

- Universal-Zooms (so von 18-135 beim Crop-Format) müssen etwas mehr abgeblendet werden, um eine gute Schärfe zu erreichen. Das ist der Brennweitenbereich, der noch in Form eines einzigen Objektivs vernünftig ist.

- Super-Zooms (so von 18-270 oder gar 300m beim Crop-Format) sind auch mit viel Abblendung nicht scharf zu bekommen - außer man betrachtet seine Bilder nur am Fernseher oder in Form von 10x15-Prints.

- Es hängt vom Format (Vollformat oder Crop usw.), von der Konstruktion des Chips mit seiner Lichtführung, von der Konstruktion des Objektivs (viele vs. weniger Linsen, Anordnung der Linsen, Art der Blende usw.) ab, welche Blende die "förderliche Blende", d.h. die Blende mit der besten Balance zwischen Schärfegewinn und Beginn der Beugungsunschärfe, ab.

- Ich habe Objektiv benutzt, die die förderliche Blende schon offen hatten bzw. deren Randschärfe bei Abblendung noch zugenommen hat, aber die Bildmitte durch Beugungsunschärfe schon merklich gelitten hat.

- die Abblendfähigkeit eines Objektivs hängt auch davon ab, ob es eine Fixbrennweite ist oder ein Zoom - Fixbrennweiten kann man, wenn notwendig (z.B. um lange Belichtungszeiten bei fließendem Wasser zu erreichen), auch mal mehr abblenden.

- Üblicherweise ist bei Vollformat die "förderliche Blende" bei 11 oder 13, beim Crop 8 bis 9. Ausnahmen bestätigen die Regel - man kann ein gutes Objektiv mehr abblenden. Das Sigma 18-125 durfte ich nicht über 5,6 abblenden, das Canon 18-135, also ein durchaus sehr ähnliches Objektiv, verträgt auch 9 oder 11 - als Beispiel.

- Nicht jedes Vollformat-Objektiv ist am Crop besser, weil die (unscharfen) Ränder fehlen, manchmal harmonieren Kamera und Gehäuse nicht miteinander - Beispiel 17-40L an der 40D.

- ...

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ja nicht mal mit dem Anspruch auf völlige Korrektheit dieser Ausführungen sind das nur so Erfahrungen aus zahlreichen Situationen ...

Gruß, Dietmar